Die Seele kennt kein Fake!

Wie man mit Selbstgesprächen Denken und Handeln steuern kann

Selbstgespräche kennt jeder – und jeder führt sie. Sie beginnen mit dem Spracherwerb im Kindesalter und verlagern sich später nach innen, wo sie großen Anteil am täglichen Denken haben: Bis zu einem Viertel unserer wachen Zeit, so schätzen manche Forscher, verbringen wir mit innerlichen Monologen. Was weniger bekannt ist: Selbstgespräche kann man auch sehr gezielt einsetzen, etwa um negative Glaubenssätze umzukehren oder sich Verhaltensweisen an- bzw. abzugewöhnen.

Sagen Sie selbst: Wann ist Ihnen das letzte Mal aufgefallen, dass Sie laut mit sich selbst reden? Sicher ist das noch gar nicht so lange her. Oft ist es gar nicht einmal ein langer Monolog, sondern es kann auch ein Stoßseufzer sein: „Mann, war ich wieder blöd!“ oder „Warum krieg ich das einfach nicht hin?“. Dies sind Überbleibsel längerer Gespräche mit sich selbst, die auch Sie sehr wahrscheinlich oft führen. Wenn nicht laut, dann doch gedanklich.

Selbstgespräche sind wichtig. Sie helfen uns, Erlebtes zu verarbeiten, Gelerntes zu behalten und Zukünftiges zu planen. Natürlich sind sie uns peinlich, wenn jemand mithört, aber es ist erwiesen, dass ein lautes Selbstgespräch viel effektiver ist als ein gedankliches. Denn man hört eine Stimme, die etwas sagt. Und damit ist der Inhalt für das Gehirn zunächst eine Information, die von außen kommt – und damit spontan erst einmal wahr. Denn auch wenn wir über einen kritischen Verstand verfügen, der bewerten kann, was wahr und was falsch ist, was ernst gemeint oder ein Witz ist, ob etwas nur dahingesagt wurde und von wem es überhaupt kam, sind Körper und Seele nicht mit diesem Filter ausgestattet. Selektiert der Geist nicht für sie vor, nehmen sie als gegeben hin, was auf sie einwirkt. Sie kennen keine Fake News. Deswegen sind selbsterniedrigende Stoßseufzer auch so schädlich für das seelische Befinden. Wer sich ständig selbst beschimpft, sorgt dafür, dass er unterbewusst eine Haltung zementiert, die zu Verzagtheit und Negativität führt. Genauso gehen ermutigende Worte, Selbstlob und Freudenbekundungen direkt ins Unterbewusstsein –mit entsprechend positiven Wirkungen. Kennen Sie Lachyoga? Ich praktiziere immer wieder mit meinen Klienten solche Übungen. Der Wissenschaftsjournalist Norman Cousins kam als erster auf den Gedanken, durch mechanisches Lachen die Emotionen zu konditionieren. Madan Kataria, ein indischer Arzt, verband diese Erkenntnisse mit der traditionellen Yogalehre und gründete vor etwa 20 Jahren einen Lachclub (heute gibt es Abertausende). Dort wird ohne Grund und ohne Komik einfach gelacht – zunächst als Übung. Das Erstaunliche: Die Menschen lachen wirklich irgendwann aus vollem Herzen. Und das tut gut. Lachen ist gesund, sagt man. Aber Lachen macht auch fröhlich. Der Grund ist einfach: Der Körper spürt, dass er lacht, also verhält er sich so, also ob ihn etwas fröhlich macht und schüttet entsprechende Glückshormone aus. Denn er kennt kein Fake. „Fake it, until you make it“, ist das Prinzip. Tu so als ob, bis dass du es wirklich tust. Genauso funktioniert es mit der Psyche, die über das Unterbewusstsein viel nachhaltiger und effektiver beeinflusst wird, als es die Vernunft je könnte. Ich selbst habe es ausprobiert, als ich ein Jahr lang im Selbstversuch Schritt für Schritt mein Leben veränderte. Ich stellte Gewohnheiten komplett um und wechselte meine Denkweise in vielerlei Hinsicht um 180 Grad. Wie ich das gemacht habe? Ganz einfach: Ich schrieb auf, was ich bisher glaubte und daneben das glatte Gegenteil davon. Diesen entgegengesetzten Spruch wiederholte ich laut und deutlich mindestens 20-mal am Tag. Und dann begann ich daran zu glauben und danach zu handeln. Das hört sich so primitiv an, dass man glauben könnte, das klappe nie, schon gar nicht bei kritischen Geistern. Aber das tut es. Denn der Geist wird überlistet. Oder besser: er wird überbrückt. Mein Selbstversuch überraschte mich über die Maßen: Ich hasste Sport – und sagte mir: „Ich liebe Sport!“ Kurz darauf trieb ich Sport. Ich liebte klebriges Weißbrot – und sagte mir: „Ich hasse Weißbrot!“. Kurz darauf fiel es mir leicht darauf zu verzichten. Ich sagte mir nicht mehr: „Der ist Schuld!“, sondern: „Ich übernehme die Verantwortung!“. Ich sagte nicht mehr: „Ich habe keine Zeit!“, sondern entschied, wenn ich es wollte: „Dafür nehme ich mir jetzt die Zeit.“ Ich hörte auf, aus Höflichkeit Dinge zu essen, die ich nicht mochte und Alkohol zu trinken, den ich nicht vertrug. Vor allem aber nahm ich nach langer Zeit endlich wieder mein Leben richtig in die Hand. Und das sage ich als Heilpraktikerin, die es nun wirklich besser hätte wissen müssen! Schließlich betreibe ich seit fast 20 Jahren eine psychotherapeutische Praxis und bin eine Verfechterin des Selbst-Coachings. Man kann sich auch selbst ansprechen, zum Beispiel, indem man sagt: „Du schaffst das!“ Mit der inneren Distanz steigt die Objektivität und der Inhalt des Bekenntnisses wird noch überzeugender. Eins allerdings muss man in jedem Fall mitbringen: Ziele. Wer nicht weiß, warum und wohin er sich steuern will, der hat es schwer sich zu ändern. Daher zum Schluss fünf praktische Tipps, wie man konstruktive Selbstgespräche führt: Seien Sie ehrlich zu sich. Wo wollen Sie hin und was müssen Sie dafür an sich ändern? Reden Sie laut und seien Sie emotional. Schaffen Sie dafür eine geschützte Atmosphäre. Sagen Sie klar, was Sie möchten. Zu sagen, was Sie nicht (mehr) möchten, reicht nicht. Bestätigen Sie sich. Sprechen Sie sich Mut zu. Loben Sie Ihren Mut und Ihren Entschluss. Belohnen Sie sich, wenn Sie etwas geschafft haben. Sagen Sie: „Das hast du gut gemacht!“

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